Ich finde die Arroganz des Westens unerträglich

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Gastbeitrag Klaus Schenk, Dresden

Hongkong bangt um seine gute westliche Demokratie. Auch im Namen dieser Demokratie hat Großbritannien China mit seiner Hafenstadt Hongkong während der Opiumkriege von 1840 an systematisch ruiniert. Ca. 40 Millionen Chinesen „waren der Droge exzessiv verfallen“. Nicht nur die Gesundheit von Millionen Chinesen wurden im Namen des freien Welthandels zerstört, Millionen verloren ihr Leben, sondern auch die chinesische Wirtschaft.

Als China versuchte, seine Staatsbürger zu schützen, begannen die Briten einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, bombardierten und besetzten schließlich chinesische Häfen. Nur in diesem Kontext gelangte Hongkong in den Bereich der so überaus ehrenwerten westlichen Demokratie.

Der chinesische Kaiser wehrte sich mit Intelligenz und Worten; er schrieb der britischen Königin einen klugen Brief. Sie, deren Nachfolger auf dem Thron bis heute vom britischen Volk verehrt werden, ließ sich davon nicht beeindrucken und setzte weiter auf brutale und menschenverachtende Waffengewalt – im Namen des freien Welthandelns und der Demokratie.

Und jetzt will der „gute Westen“ Sanktionen gegen China verhängen, nur weil es das himmelschreiende Unrecht der Abspaltung und Besetzung Hongkongs vertragsgemäß rückgängig machen will. Wäre Deutschland an solchen Menschheitsverbrechen schuldig – an der Niederschlagung des „Boxeraufstandes“ beteiligte es sich ja dann in der Tat als eine Nation von acht – hauptschuldig so wie Großbritannien, gäbe es längst ein riesiges Denkmal der deutschen Schande in Berlin, auch dieses zu Recht, und kein Deutscher würde es wagen, einen Chinesen jemals wieder „scheel“ anzusehen, wie es seitenverkehrt Wilhelm II ausgedrückt hatte, als Deutschland zum ersten Mal ein guter Alliierter des Westens war, wie heute wieder, und in die Niederwerfung des Boxeraufstandes militärisch eingriff. Wo kommt bloß diese Arroganz her, sich heute als Verteidiger der Demokratie in Hongkong aufzuspielen, einer westlichen Demokratie, in deren Namen die völkerrechtswidrige Annexion Hongkongs durch Großbritannien stattfand, verbunden mit schlimmsten Kriegsverbrechen?

PS: Immer wieder bewahrheitet sich, was am Zeitgeschichtlichen Museum in Leipzig steht: „Warnung! Geschichte kann zu Einsichten führen und verursacht Bewusstsein“, sogar gegenüber einer „dumpfen Westlichkeit“, zu der Deutschland endlich auch gehören dürfen wollte und will.

Klaus Schenck, Dresden